Übersteht der Ausmalfortschritt einen Handywechsel?
Fortschritt, der auf dem Gerät liegt, liegt nicht auf einem Server. Ob er auf das neue Telefon mitkommt, entscheidet deshalb die Art des Umzugs — verschlüsselte Gerätesicherung oder frische Neuinstallation — und nicht die Anwendung selbst.
Die Frage taucht meist zu spät auf: Das neue Telefon liegt bereits eingerichtet auf dem Tisch, die Anwendung ist frisch aus dem Store geladen, und die halb fertigen Bilder sind nicht da. An dieser Stelle ist die Antwort schon gefallen — sie fiel beim Einrichten, nicht beim Öffnen.
Das lässt sich vorher wissen. Wer versteht, wo dieser Fortschritt physisch liegt, kann den Umzug so gestalten, dass er mitkommt.
Wo der Fortschritt tatsächlich liegt
Ausmalen erzeugt erstaunlich wenig Daten. Das Bild selbst verändert sich nicht; gespeichert wird im Kern eine Liste, welche der nummerierten Regionen bereits gefüllt sind. Bei einigen tausend Regionen sind das wenige Kilobyte. Für eine solche Datenmenge lohnt sich weder eine Serverinfrastruktur noch eine Nutzerverwaltung, und entsprechend arbeiten viele Anwendungen dieser Kategorie ohne Konto und ohne Anmeldung.
Der Datensatz liegt dann im geschützten Bereich der jeweiligen Anwendung auf dem Gerät. Das ist datensparsam, funktioniert ohne Verbindung und kann nicht abgeschaltet werden, weil irgendwo ein Dienst eingestellt wird. Die Kehrseite ist unvermeidlich: Was ausschließlich auf einem Gerät liegt, existiert genau so lange, wie dieses Gerät im Zugriff ist.
Daraus folgt die eigentliche Antwort auf die Titelfrage. Ob der Fortschritt den Wechsel übersteht, hängt nicht daran, wie gut oder schlecht eine Anwendung gebaut ist, sondern an dem Verfahren, mit dem das neue Gerät eingerichtet wird.
Zwei Umzugsarten, zwei Ergebnisse
Neu einrichten und Anwendungen einzeln nachladen
Das neue Telefon wird als frisches Gerät aufgesetzt, danach werden die gewünschten Anwendungen einzeln aus dem Store geholt. Übertragen wird dabei nur das Programm, nicht sein Datenbestand. Das Ergebnis ist eine Anwendung im Auslieferungszustand: alle Bilder leer, alle Zähler auf null. Auch das Wiederherstellen früherer Käufe ändert daran nichts, denn Kaufbelege liegen beim Store, gefüllte Regionen nicht.
Gerätesicherung oder direkte Übertragung
Wird das neue Gerät stattdessen aus einer vollständigen Sicherung des alten aufgesetzt, oder werden die Daten beim Ersteinrichten direkt vom alten auf das neue Gerät übertragen, dann wandern die anwendungseigenen Datenverzeichnisse mit. In diesem Fall stehen die halb fertigen Bilder nach dem ersten Öffnen an derselben Stelle wie vorher.
Bei Apple-Geräten leisten das ein Backup in der Cloud, eine Sicherung über den Computer oder die Direktübertragung während der Einrichtung. Für lokale Sicherungen über den Computer empfiehlt sich die verschlüsselte Variante, weil unverschlüsselte Sicherungen bestimmte Inhalte wie Schlüsselbund- und Gesundheitsdaten grundsätzlich auslassen. Bei Android-Geräten gibt es eine automatische Sicherung von Anwendungsdaten in das Nutzerkonto, deren Umfang begrenzt und die pro Anwendung abschaltbar ist, sowie Übertragungswerkzeuge der Hersteller, die beim Ersteinrichten direkt vom alten Gerät kopieren. In beiden Welten gilt dieselbe Faustregel: Die Übernahme beim Einrichten ist zuverlässiger als jedes spätere Nachbessern.
Eine Einschränkung wird selten erklärt. Anwendungen dürfen einzelne Verzeichnisse ausdrücklich von der Sicherung ausnehmen — gedacht ist das für Zwischenspeicher, die sich jederzeit neu erzeugen lassen. Legt eine Anwendung ihren Spielstand unglücklicherweise in einem solchen Verzeichnis ab, kommt er trotz korrekt angelegtem Backup nicht mit. Von außen ist das nicht erkennbar, und es ist der Grund, warum sich hier keine pauschale Garantie aussprechen lässt.
Was sich vor dem Wechsel tun lässt
- Nachsehen, ob die betreffende Anwendung eine Anmeldung oder eine Synchronisierung anbietet. Wenn ja, vor dem Umzug anmelden — danach liegt der Fortschritt nicht mehr ausschließlich auf dem Gerät.
- Nachsehen, ob es eine Export- oder Sicherungsfunktion gibt. Manche Anwendungen schreiben eine Datei, die sich in eine Cloud oder an eine E-Mail-Adresse legen lässt.
- Fertige Bilder als Bilddatei sichern oder abfotografieren. Das rettet keinen Fortschritt, aber das Ergebnis, an dem tatsächlich Zeit hängt.
- Beim Einrichten des neuen Geräts die Übernahme wählen statt der frischen Ersteinrichtung. Diese Entscheidung ist die wichtigste des ganzen Vorgangs und praktisch nur einmal zu treffen: Ist das neue Gerät erst leer aufgesetzt, bedeutet ein nachträgliches Einspielen der Sicherung in der Regel ein vollständiges Zurücksetzen.
- Das alte Gerät nicht sofort zurücksetzen oder abgeben. Ein paar Tage Überschneidung kosten nichts und erlauben es, in Ruhe zu prüfen, was tatsächlich angekommen ist.
Wenn der Fortschritt trotzdem fehlt
Dann gibt es nachträglich meist keinen Weg zurück, und es ist besser, das offen zu sagen als Hoffnung auf Wiederherstellungswerkzeuge zu machen, die für den geschützten Bereich einer Anwendung nicht existieren. Was bleibt, ist die Vorlage selbst: Die Bilder sind unverändert vorhanden, nur wieder leer.
Das ist weniger schlimm, als es im ersten Moment wirkt. Ein zweites Mal geht dieselbe Vorlage deutlich schneller, weil die Farbverteilung schon bekannt ist und die Sucharbeit entfällt. Und ein halb fertiges Bild, das nicht mitgekommen ist, war keine Investition, die abgeschrieben werden müsste — die Zeit davor ist ja bereits vergangen und war zu dem Zeitpunkt genau das, was sie sein sollte.
Kein Server hat auch eine gute Seite
Es liegt nahe, die fehlende Cloud-Synchronisierung als Versäumnis zu lesen. Sie ist aber vor allem eine Abwägung, und zwar in beide Richtungen. Ohne Konto gibt es keine Registrierung, keine Adresse, die hinterlegt wird, keinen Dienst, der eines Tages abgeschaltet wird und Bilder mitnimmt, und keine Verbindung, die für das Füllen einer Fläche notwendig wäre.
Der Preis dafür ist genau der hier beschriebene: Der Umzug auf ein neues Gerät wird zu einer Sache, um die man sich selbst kümmern muss. Wer das weiß, trifft beim Einrichten des nächsten Telefons die eine Entscheidung, auf die es ankommt — und alles andere erledigt sich von allein.
Häufige Fragen
Reicht es, sich auf dem neuen Telefon mit derselben Store-Kennung anzumelden?
Für den Fortschritt reicht das nicht. Die Store-Kennung verwaltet Käufe und Berechtigungen, nicht die Daten innerhalb einer Anwendung. Ohne übernommene Gerätesicherung oder eine anwendungseigene Synchronisierung startet die Anwendung leer.
Bringt es etwas, die Anwendung vor dem Wechsel zu löschen und neu zu installieren?
Das ist im Gegenteil riskant. Beim Deinstallieren wird der geschützte Datenbereich einer Anwendung üblicherweise mit entfernt, und damit auch der gespeicherte Zustand der Bilder. Vor einem Gerätewechsel sollte nichts deinstalliert werden, was noch benötigt wird.
Kommt der Fortschritt auch beim Wechsel zwischen iOS und Android mit?
In der Regel nicht. Gerätesicherungen sind plattformspezifisch, und Umzugswerkzeuge zwischen den Systemen übertragen üblicherweise Fotos, Kontakte und Nachrichten, nicht aber die internen Datenbestände einzelner Anwendungen. Nur eine anwendungseigene Anmeldung könnte diese Grenze überbrücken.
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