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Bildschirmhelligkeit, Nachtmodus und Ausmalen

Dasselbe Bild ist abends schwerer zu bearbeiten, und der Grund liegt eher im Gerät als in den Augen. Warmtonmodi stauchen die Blautöne, geringe Helligkeit staucht die dunklen.

Ein Bild, das nachmittags problemlos zu bearbeiten war, wird abends zäh. Die Paletteneinträge sind schwerer auseinanderzuhalten, dunkle Partien wirken wie eine einzige Fläche, und gelegentlich stellt sich am nächsten Morgen heraus, dass zwei Farben vertauscht wurden. Nahe liegt die Erklärung, dass die Augen müde sind. Häufiger liegt es aber daran, was das Gerät am Abend mit den Farben macht.

Zwei Mechanismen sind daran beteiligt, und sie wirken auf verschiedene Teile der Palette. Der eine betrifft die kühlen Töne, der andere die dunklen.

Warmtonmodi stauchen das Blau

Abendmodi, Nachtlicht oder wie sie sonst heißen, funktionieren alle nach demselben Prinzip: Sie senken den Blauanteil der Darstellung und lassen Rot und Grün weitgehend stehen. Das Bild wirkt dadurch wärmer, ungefähr wie unter Glühlicht. Für Text ändert das wenig, weil Text ohnehin nur aus Hell und Dunkel besteht.

Für eine Farbpalette ändert es erheblich etwas. Zwei Einträge, die sich hauptsächlich in ihrem Blauanteil unterscheiden, etwa ein kühles Grau gegenüber einem hellen Blaugrau oder ein Violett gegenüber einem Weinrot, verlieren genau die Dimension, in der sie sich unterschieden haben. Sie rücken zusammen, teils bis zur Ununterscheidbarkeit. In einem Motiv mit einem Himmel oder einer Wasserfläche, wo sechs oder acht Einträge dicht beieinander im Blaubereich liegen, fällt eine ganze Gruppe zu einem Brei zusammen.

Nebenbei betrifft das nicht nur die Palettenleiste, sondern auch die bereits gefüllten Flächen. Wer abends unter warmer Darstellung arbeitet und das Ergebnis am nächsten Tag bei normaler Einstellung ansieht, sieht ein anderes Bild als das, das er zu malen glaubte. Das ist kein Fehler in der Datei; die gespeicherten Farbwerte ändern sich nicht, nur ihre Darstellung.

Geringe Helligkeit staucht die dunklen Töne

Der zweite Mechanismus wirkt am anderen Ende. Bei niedriger Hintergrundbeleuchtung werden nicht alle Helligkeitsstufen gleichmäßig heruntergeregelt; die Abstände zwischen den dunkelsten Stufen fallen dabei besonders zusammen. Ein dunkles Braun, ein sehr dunkles Grün und ein Fast-Schwarz stehen bei voller Helligkeit deutlich auseinander und liegen bei zehn Prozent Helligkeit so eng beieinander, dass die Unterscheidung nur noch mit Mühe gelingt.

Verstärkt wird das durch die Umgebung. Die Glasoberfläche reflektiert immer etwas Licht, und dieser Schleier legt sich als konstanter Sockel über das Bild. Er hebt das Schwarz an, ohne die Unterschiede darin zu vergrößern, und drückt damit den verbleibenden Kontrast im dunklen Bereich weiter zusammen. Deshalb kann eine dunkle Partie in einem hellen Zimmer bei niedriger Helligkeit schlechter lesbar sein als in einem dunklen Zimmer bei derselben Einstellung.

Dazu kommt, dass die automatische Helligkeitsregelung während einer Sitzung nachjustiert, oft unbemerkt. Wer am Abend eine halbe Stunde arbeitet, arbeitet in dieser Zeit möglicherweise unter drei verschiedenen Helligkeiten, und ein Farbeindruck, den man sich zu Beginn eingeprägt hat, stimmt später nicht mehr.

Was daraus praktisch folgt

Die letzte Empfehlung wirkt gegen den Trend, ist aber die konsequente Antwort auf die Mechanik. Warmtonmodi verändern die Farbverhältnisse, die Helligkeitsregelung verändert nur die Menge des Lichts. Wenn also etwas gedimmt werden soll, ist die Helligkeit das Stellrad mit den geringeren Nebenwirkungen für die Farbunterscheidung, solange man nicht so weit heruntergeht, dass die dunklen Töne zusammenfallen.

Der Raum zählt mit

Was auf dem Bildschirm passiert, hängt außerdem davon ab, wovon das Auge kommt. Nach einer Weile in einem hell erleuchteten Zimmer ist das Sehsystem auf ein hohes Lichtniveau eingestellt, und ein gedimmter Bildschirm erscheint darin flau und kontrastarm. Nach zwanzig Minuten bei Kerzenlicht oder einer kleinen Leseleuchte ist derselbe Bildschirm bei derselben Einstellung angenehm hell und die dunklen Töne wieder unterscheidbar. Der Bildschirm hat sich dabei nicht verändert, nur der Vergleichsmaßstab.

Praktisch heißt das, dass die richtige Helligkeit keine feste Zahl ist, sondern ein Verhältnis zur Umgebung. Wer abends am Fenster mit Straßenlaterne im Rücken sitzt, braucht eine andere Einstellung als jemand im dunklen Zimmer, und beide sind gut beraten, den Wert einmal von Hand zu suchen, statt sich auf die Automatik zu verlassen, die auf Veränderungen im Raum reagiert und dabei mitten in einer Farbpartie nachregeln kann.

Zum Blaulicht selbst

Warmtonmodi werden meist mit dem Schlaf begründet. Dazu lässt sich ehrlicherweise sagen, dass die Diskussion uneinheitlich ist: Dass Licht am Abend auf den Tagesrhythmus wirkt, ist wenig strittig, wie groß der Effekt eines Telefonbildschirms in üblicher Helligkeit dabei ist, deutlich mehr. Wer sich einen Warmtonmodus angewöhnt hat, weil er ihm angenehm ist, hat damit einen völlig ausreichenden Grund, und wer ihn ausschaltet, um eine Palette wieder zu sehen, ebenfalls.

Der eigentliche Punkt ist ein anderer und wird selten gemacht: Wenn abends etwas schwerer geht, muss das nicht an einem selbst liegen. Ein Teil davon ist Einstellungssache im Wortsinn und lässt sich in zwei Handgriffen prüfen, indem man dieselbe Palettenleiste einmal mit und einmal ohne Warmton betrachtet.

Häufige Fragen

Verändert der Nachtmodus die Farben im gespeicherten Bild?

Nein. Die Farbwerte selbst bleiben unverändert, verändert wird nur ihre Darstellung auf dem Bildschirm. Ein Bild, das unter warmer Darstellung gefüllt wurde, sieht bei normaler Einstellung genauso aus wie eines, das tagsüber entstanden ist.

Warum sehen zwei Paletteneinträge abends gleich aus und tagsüber nicht?

Meist unterscheiden sie sich hauptsächlich im Blauanteil, und genau dieser wird von Warmtonmodi verringert. Damit verschwindet die einzige Dimension, in der sie sich unterschieden haben. Ein kurzes Abschalten des Modus zeigt sofort, ob es daran liegt.

Ist es besser, im Dunkeln mit heller oder dunkler Anzeige zu arbeiten?

Für die Farbunterscheidung ist eine mittlere Helligkeit günstiger als eine sehr niedrige, weil bei starker Absenkung die dunklen Töne zusammenfallen. Für den Komfort im dunklen Raum spricht das Gegenteil. Ein brauchbarer Kompromiss ist, die dunklen Farben eines Bildes bei höherer Helligkeit zu setzen und die hellen später.

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