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Linkshändig ausmalen am Tablet

Das eigentliche Problem heißt Verdeckung: Die Hand liegt über genau dem Bildteil, der als Nächstes bearbeitet wird. Für Linkshänder ist das die untere linke Ecke — und damit kehren sich zwei geläufige Ratschläge exakt um.

Wer linkshändig an einem Tablet arbeitet, kennt das Gefühl, dass Software insgesamt für andere Hände gebaut wurde. Beim Ausmalen nach Zahlen lässt sich dieser diffuse Eindruck aber ungewöhnlich genau auf eine einzige Ursache zurückführen, und die hat mit Vorlieben von Entwicklern nichts zu tun: Es geht um Verdeckung.

Verdeckung heißt hier, dass Hand und Unterarm auf dem Weg zum Bildschirm über einem Teil des Bildes liegen. Solange dieser Teil bereits fertig ist, spielt das keine Rolle. Sobald dort die nächste Fläche liegt, wird aus einer Nebensächlichkeit die zentrale Schwierigkeit der ganzen Tätigkeit — denn das Ziel ist eine kleine Fläche mit einer noch kleineren Ziffer darin, und beides muss unmittelbar vor dem Antippen sichtbar sein.

Warum Verdeckung beim Ausmalen mehr wiegt als anderswo

Beim Lesen oder beim Ansehen von Videos berührt die Hand den Bildschirm kaum. Beim Ausmalen ist jeder einzelne Arbeitsschritt eine Berührung, und zwar eine, die auf einen ganz bestimmten Punkt zielt. Eine Fingerkuppe bedeckt auf dem Glas grob acht bis zehn Millimeter; in einem dichten Muster liegen darunter je nach Motiv Dutzende von Bereichen. Die Zahl, die verrät, welcher davon gemeint ist, verschwindet also genau im entscheidenden Moment.

Deshalb besteht die eigentliche Technik beim Ausmalen darin, den Zielbereich zu sehen, bevor er berührt wird, und dann so zu tippen, dass die Erinnerung an die Position noch frisch ist. Alles, was die Sicht auf die Umgebung des Ziels vorher schon einschränkt — Handrücken, Ärmel, ein aufgestützter Handballen — verlängert diesen Weg und erhöht die Zahl der falschen Treffer.

Bei einem Tablet kommt hinzu, dass die Hand deutlich mehr Fläche verdeckt als bei einem Telefon, weil sie näher am Auge und schräger zum Bildschirm steht. Die Schattenzone eines Unterarms auf einem flach liegenden Zehn- oder Elf-Zoll-Gerät ist beträchtlich.

Für Linkshänder liegt der tote Winkel unten links

Die Hand nähert sich dem Bildschirm immer von der Seite, auf der der Körper sie führt, und in der Regel von unten. Bei rechtshändiger Arbeit liegt der verdeckte Keil deshalb rechts unten, bei linkshändiger Arbeit spiegelbildlich links unten. Das ist der ganze Unterschied, und alles Weitere folgt daraus.

Da fast alle geläufigen Empfehlungen zu Bildschirmarbeit stillschweigend von einer rechten Hand ausgehen, kehren sich zwei dieser Empfehlungen für Linkshänder exakt um — nicht ungefähr, sondern genau um hundertachtzig Grad.

Erstens: die Seite der Farbleiste

Der übliche Rat lautet, Bedienelemente rechts unten zu platzieren oder eine seitlich angeordnete Farbauswahl auf der rechten Seite zu bevorzugen, weil sie dort schnell erreichbar ist. Für eine linke Hand bedeutet dieselbe Anordnung, dass der Arm bei jedem Farbwechsel quer über das ganze Bild greift. Linkshändig ist eine Palette am unteren Rand fast immer angenehmer als eine seitliche, und wenn eine Anwendung die Seite umstellen lässt, gehört sie nach links — dann liegt der Griff dorthin, wo die Hand ohnehin steht, und die Bildmitte bleibt frei.

Zweitens: die Arbeitsrichtung durch das Bild

Der zweite geläufige Rat stammt aus der Schreibpraxis: von oben links nach unten rechts arbeiten, damit die Hand nie über bereits Erledigtes wandert. Beim Ausmalen ist das Kriterium ein anderes — die Hand soll nicht über noch Unerledigtes wandern. Für Rechtshänder heißt das, von rechts nach links vorzugehen, für Linkshänder folglich von links nach rechts und von unten nach oben. Wer linkshändig die Schulempfehlung befolgt, arbeitet systematisch in die eigene Verdeckung hinein.

Was zusätzlich hilft

Manche Anwendungen der Kategorie erlauben es, das Bild zu drehen. Wo das möglich ist, hat es für Linkshänder einen Effekt, den kein anderer Kniff erreicht: Ein um hundertachtzig Grad gedrehtes Motiv schiebt eine unangenehme untere linke Ecke in die bequeme obere rechte, ohne dass sich an der Arbeit selbst irgendetwas ändert.

Was daran nicht zu ändern ist

Ein Teil des Problems bleibt bestehen, weil er in der Sache liegt. Ein Finger ist breiter als das, worauf er zielt, und eine Hand ist undurchsichtig. Wer viel und lange an feinen Motiven arbeitet, kommt deshalb an einem Punkt an, an dem ein dünner Stift spürbar mehr bringt als jede Umgewöhnung — nicht wegen der Präzision der Spitze allein, sondern weil eine Stiftspitze das Ziel nicht verdeckt und die Hand weiter unten bleibt.

Alles Übrige ist Einrichtung: Seite der Palette, Neigung des Geräts, Richtung durch das Bild. Diese drei Entscheidungen sind schnell getroffen und wirken sofort, und sie kosten nichts außer der Bereitschaft, geläufige Ratschläge nicht wörtlich, sondern gespiegelt zu übernehmen.

Häufige Fragen

Warum ist die Verdeckung am Tablet störender als am Telefon?

Weil die Hand auf einer größeren, flacher liegenden Fläche arbeitet und dabei näher am Auge steht. Der verdeckte Keil auf einem Zehn-Zoll-Gerät umfasst schnell ein Viertel des Bildes, während er auf einem Telefon meist nur den unteren Rand betrifft. Ein aufgestelltes Gerät verringert den Effekt deutlich.

Sollte man das Tablet für linkshändige Arbeit drehen?

Das Gerät selbst zu drehen bringt wenig, weil Kamera und Anschlüsse dabei stören. Nützlicher ist es, das Bild innerhalb der Anwendung zu drehen oder den Ausschnitt zu verschieben, sodass der nächste Bereich oberhalb der Hand liegt. Wo eine Drehung des Motivs möglich ist, löst sie das Problem am gründlichsten.

Ist ein Stift für Linkshänder ein größerer Vorteil?

Tendenziell ja, weil er die Hand weiter vom Zielbereich weghält und die Spitze das Ziel nicht verdeckt. Notwendig ist er nicht — Zoomen und eine angepasste Arbeitsrichtung lösen den größten Teil des Problems. Es ist eine Frage der Bequemlichkeit, nicht der Machbarkeit.

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