Warum die Zahlen beim Herauszoomen verschwinden
Es ist nichts kaputt. Eine Ziffer braucht eine Mindesthöhe in Pixeln, um lesbar zu sein, und in der Gesamtansicht ist dafür in den meisten Flächen kein Platz – sie trotzdem zu zeichnen, macht das Bild schlechter lesbar.
Beim Herauszoomen auf die Gesamtansicht verschwinden die Ziffern aus den Flächen, und beim Hineinzoomen sind sie wieder da. Das wirkt anfangs wie ein Anzeigefehler oder wie eine unnötige Bevormundung. Tatsächlich ist es die einzige vernünftige Antwort auf eine sehr harte Grenze, die nichts mit Software zu tun hat, sondern mit der Größe von Buchstaben.
Wie groß eine Ziffer sein muss, damit man sie liest
Eine Ziffer wird nicht lesbar, weil sie vorhanden ist, sondern weil sie genügend Bildpunkte in der Höhe belegt. Unterhalb einer bestimmten Größe kippen Formen ineinander: Eine Drei wird zu einer Acht, eine Sechs zu einer Fünf, und zweistellige Zahlen werden zu einem einzigen dunklen Fleck. Als grobe Orientierung gilt, dass Text auf einem in der Hand gehaltenen Bildschirm etwa zwei Millimeter Höhe braucht, um mühelos lesbar zu sein.
Zwei Millimeter sind auf heutigen Telefonbildschirmen kein kleiner Wert. Solche Displays haben grob einige hundert Bildpunkte pro Zentimeter, sodass für eine bequem lesbare Ziffer typischerweise mehrere Dutzend Bildpunkte in der Höhe zusammenkommen müssen. Darunter wird das Lesen anstrengend, deutlich darunter unmöglich.
Erschwerend kommt hinzu, dass ab zehn Palettenfarben zweistellige Zahlen auftreten. Eine zweistellige Zahl braucht in der Breite ungefähr das Doppelte, und sie braucht diese Breite in einer Fläche, die möglicherweise nicht breiter als hoch ist. Der Platzbedarf wächst also gerade dann, wenn die Flächen ohnehin kleiner werden – große Palette und kleine Flächen treten fast immer gemeinsam auf.
Was das für eine Fläche von drei Pixeln bedeutet
Ein Motiv mit tausend oder zweitausend Flächen, auf Bildschirmbreite verkleinert, besteht überwiegend aus sehr kleinen Flächen. Im dichten Teil eines Ornaments oder in einer Haarpartie ist eine Fläche in der Gesamtansicht durchaus nur drei oder vier Bildpunkte breit. In drei Bildpunkte lässt sich keine Ziffer zeichnen – nicht schlecht, sondern gar nicht.
Damit hat die Darstellung genau drei Möglichkeiten. Sie kann die Ziffer trotzdem zeichnen, in der Größe, die eben hineinpasst. Sie kann die Ziffer über die Fläche hinausragen lassen. Oder sie kann sie weglassen, sobald der Platz nicht reicht. Die dritte Möglichkeit ist die übliche, und die Gründe dafür stehen im nächsten Abschnitt.
Warum Zeichnen-trotzdem die schlechtere Wahl wäre
Eine Ziffer, die zu klein zum Lesen ist, verschwindet nicht einfach – sie hinterlässt einen grauen Fleck in der Mitte der Fläche. In einem dichten Bereich mit hunderten solcher Flächen entsteht daraus ein flächendeckender Schleier, der genau das zerstört, wofür man herausgezoomt hat: den Überblick über Aufbau, Farbverteilung und darüber, welche Bereiche noch leer sind.
Die zweite Variante ist noch schlechter. Ragt die Ziffer über ihre Fläche hinaus, liegt sie über den Nachbarflächen und über deren Ziffern. Dicht gepackte Zahlen werden aber selbst dann schwer lesbar, wenn jede einzelne für sich groß genug wäre – ein Effekt, den man aus jedem eng gesetzten Zahlenblock kennt. Man gewinnt also nichts und verliert die Nachbarschaft gleich mit.
Bleibt das Weglassen. Es ist kein Verlust, weil in dieser Ansicht ohnehin nicht gearbeitet wird: Eine Fläche von drei Bildpunkten lässt sich mit einer Fingerkuppe von acht bis zehn Millimetern Breite nicht sinnvoll treffen. Die Gesamtansicht ist zum Betrachten da, nicht zum Füllen – und die Ziffern sind zum Füllen da, nicht zum Betrachten.
Der zweite Grund: gefüllte Flächen brauchen keine Ziffer
Ein Teil des Verschwindens hat mit dem Zoom gar nichts zu tun und wird trotzdem oft damit verwechselt. Sobald eine Fläche gefüllt ist, hat ihre Ziffer keine Aufgabe mehr und wird üblicherweise entfernt. In einem weit fortgeschrittenen Bild sind die Zahlen deshalb ohnehin fast alle weg – und was noch steht, ist genau das, was noch zu tun ist.
Praktisch ist das eine der nützlichsten Eigenschaften der ganzen Darstellung. Die verbleibenden Ziffern sind keine Dekoration, sondern eine Restliste, die sich selbst abarbeitet. Wer wissen will, was noch offen ist, muss nicht Farben vergleichen, sondern nur nach Zahlen suchen.
Wie man mit beidem umgeht
- Den Zoom als das benutzen, was er ist: zwei Ansichten mit zwei Aufgaben. Herausgezoomt wird geschaut, hineingezoomt wird gearbeitet.
- Zum Arbeiten so weit vergrößern, dass die kleinsten Ziffern des dichten Bereichs bequem lesbar sind – nicht gerade so, sondern bequem.
- Zur Orientierung herauszoomen und dabei nicht nach Zahlen suchen, sondern nach leeren Bereichen und Farbverteilung.
- In sehr dichten Motiven eine mittlere Zoomstufe suchen, bei der die Ziffern erscheinen, aber noch ein größerer Bildausschnitt sichtbar ist. Diese Stufe ist meist die angenehmste Arbeitshöhe.
Dass die Zahlen kommen und gehen, ist also weniger ein Verhalten der Darstellung als ein Nebeneffekt davon, wie klein eine lesbare Ziffer sein kann. Diese Grenze liegt fest, und alles, was eine Darstellung tun kann, ist, sich vernünftig daran zu halten.
Häufige Fragen
Kann man die Zahlen dauerhaft einblenden lassen?
Selbst wenn sie dauerhaft gezeichnet würden, wären sie in der Gesamtansicht nicht lesbar, weil in einer drei Bildpunkte breiten Fläche keine Ziffer Platz hat. Das Ergebnis wäre ein grauer Schleier über den dichten Bildbereichen. Das Weglassen ist deshalb kein Verzicht, sondern die Alternative zu unlesbarem Matsch.
Warum sind manche Zahlen auch beim Hineinzoomen nicht zu sehen?
Meist ist die Fläche bereits gefüllt – dann wird die Ziffer üblicherweise entfernt, weil sie nichts mehr beiträgt. Der zweite Fall sind sehr schmale, langgezogene Flächen, in die selbst bei starker Vergrößerung keine Zahl passt, ohne über den Rand zu ragen.
Welche Zoomstufe ist zum Ausmalen sinnvoll?
Die, bei der die kleinsten Ziffern des dichtesten Bildbereichs bequem lesbar sind. Das ist gleichzeitig ungefähr die Stufe, bei der die kleinsten Flächen breit genug für eine Fingerkuppe werden. Beide Grenzen fallen fast zusammen, weshalb sich eine einzige Arbeitsstufe für das ganze Bild finden lässt.
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