N Numbrush Laden

Malen nach Zahlen: Karton oder Bildschirm

Zwei Dinge tragen denselben Namen und meinen dieselbe Idee, siebzig Jahre auseinander. Woher der Begriff stammt, was heute damit gemeint ist und was die digitale Variante tatsächlich verändert hat.

Zwei ziemlich verschiedene Dinge tragen im Deutschen denselben Namen. Das eine ist ein flacher Karton aus der Bastelabteilung: eine vorgedruckte Hartfaserplatte oder Leinwand, darauf ein Gewirr aus dünnen Linien und kleinen Ziffern, dazu ein Blister mit nummerierten Farbtöpfchen und ein Pinsel, der nach dem dritten Feld ausfranst. Das andere ist eine Bildfläche auf einem Telefon, auf der ein Fingertipp ein Feld füllt und ein zweiter Tipp den Fehler zurücknimmt. Beides heißt Malen nach Zahlen, und das ist keine nachträgliche Begriffsübernahme durch die Software, sondern schlicht dieselbe Idee mit etwa siebzig Jahren Abstand.

Welche der beiden Sachen gemeint ist, wenn jemand den Begriff benutzt, hängt inzwischen fast nur noch vom Zusammenhang ab. Fällt er in einem Gespräch über das Wochenende, über ein Geschenk oder über eine Leinwand, die im Flur hängt, ist der Karton gemeint. Fällt er zusammen mit einem Bildschirm, einer Wartezeit oder einer S-Bahn-Fahrt, ist die App gemeint. Das Wort hat sich nicht verschoben, es hat sich verdoppelt.

Das Prinzip, das beide teilen

Der Kern ist in beiden Fällen derselbe Trick: Ein Bild wird vorab in Flächen zerlegt, von denen jede genau einen Farbton bekommt, und jede Fläche trägt die Nummer ihres Tons. Was dabei entsteht, ist keine Malerei im Sinne eines eigenen Bildaufbaus, sondern eine Ausführung. Die schwierigen Teile des Malens sind bereits erledigt, bevor jemand anfängt: die Zeichnung, die Aufteilung von Licht und Schatten, die Auswahl und das Mischen der Farben. Übrig bleibt eine lange Reihe kleiner, eindeutiger Handgriffe, von denen keiner eine Entscheidung verlangt.

Genau diese Eindeutigkeit ist der eigentliche Gegenstand. Wer eine leere Leinwand vor sich hat, muss zuerst wissen, was darauf soll. Wer ein nummeriertes Feld vor sich hat, muss nur wissen, welche Nummer gerade dran ist. Der Unterschied zwischen beiden Situationen ist so groß, dass viele Menschen die eine als anstrengend und die andere als angenehm empfinden, obwohl in beiden Fällen Farbe auf eine Fläche kommt.

Woher der Karton kam

Der Bausatz stammt aus den frühen 1950er-Jahren und aus Detroit. Die Palmer Paint Company gehörte Max Klein; Dan Robbins arbeitete dort als Werbegrafiker und entwickelte die Aufteilung eines Motivs in nummerierte Flächen so weit, dass sie sich in Serie drucken ließ. Verkauft wurde das Ergebnis unter dem Markennamen Craft Master. Zur Firmengeschichte gehört auch die Erzählung, Leonardo da Vinci habe seinen Gehilfen nummerierte Bildabschnitte zugewiesen; diese Anekdote ist Teil der Selbstdarstellung des Unternehmens und nicht als historischer Befund belegt.

In Deutschland tauchte die Sache später auf, und sie traf hier auf ein Publikum, das mit Handarbeit und Basteln ohnehin vertraut war. Der nummerierte Malkasten stand irgendwann neben Stickpackungen, Modellbausätzen und Laubsägevorlagen im Kaufhaus, und er erbte deren Ruf gleich mit: solide Feierabendbeschäftigung, aber eben nichts, was man Kunst nennen würde. Die Debatte darüber, ob so etwas erlaubt sei, wurde diesseits und jenseits des Atlantiks mit fast identischen Argumenten geführt.

Was die digitale Fassung wirklich verändert hat

Vieles von dem, was als Unterschied genannt wird, ist Beiwerk. Drei Dinge sind es nicht.

Was dabei verloren geht, gehört ehrlicherweise in dieselbe Liste. Am Ende eines Kartons steht ein Gegenstand, der an einer Wand hängen kann. Am Ende einer digitalen Bildfläche steht eine Datei. Wer den Karton als Handarbeit versteht, wird das als den entscheidenden Unterschied ansehen, und dagegen lässt sich wenig sagen.

Was in siebzig Jahren gleich geblieben ist

Bemerkenswert ist weniger die Veränderung als die Beständigkeit. Die Struktur der Tätigkeit ist dieselbe geblieben: eine überschaubare Zahl von Farben, eine große Zahl kleiner Flächen, eine Reihenfolge, die sich jeder selbst zurechtlegt, und ein Zustand, in dem die Hände beschäftigt sind und der Kopf nichts entscheiden muss. Auch der Abbruch mittendrin ist derselbe geblieben. Halb fertige Leinwände liegen seit den fünfziger Jahren in Kellern, halb gefüllte Bildflächen liegen heute in Dateien. Beides ist unproblematisch.

Gleich geblieben ist ebenfalls die Einteilung des Publikums. Es gab immer Leute, denen genau die Abwesenheit von Entscheidungen gefällt, und Leute, die das langweilig finden und lieber ein leeres Blatt hätten. Die Technik hat an dieser Trennlinie nichts geändert, sie hat nur den Zugang billiger gemacht.

Welches Wort wofür

Im deutschen Sprachgebrauch gibt es keine saubere Trennung, wie sie das Englische mit paint by number und color by number gelegentlich versucht. Malen nach Zahlen deckt beides ab. Wer eindeutig sein will, sagt beim Karton Malset oder Bastelset dazu und beim Bildschirm Ausmalen oder Ausmalbild. Der Unterschied zwischen Malen und Ausmalen trägt hier mehr als jeder englische Fachbegriff: Beim einen wird Farbe aufgetragen, beim anderen wird eine vorhandene Fläche gefüllt.

Wer beides einmal gemacht hat, kennt den eigentlichen Unterschied ohnehin nicht aus der Begriffsgeschichte, sondern aus dem Handgelenk. Der Karton verlangt Geduld mit dem Material, der Bildschirm verlangt Geduld mit der Vergrößerung. Die Sache dahinter, ein Bild in kleine, erledigbare Schritte zu zerlegen und diese Schritte der Reihe nach abzuarbeiten, ist in beiden Fällen dieselbe geblieben.

Häufige Fragen

Ist Malen nach Zahlen am Bildschirm dasselbe wie das Set aus dem Karton?

Das Prinzip ist identisch: ein vorab in nummerierte Flächen zerlegtes Bild und eine kleine feste Farbpalette. Unterschiedlich sind die Fehlertoleranz, die Rolle der Feinmotorik und die Tatsache, dass am Ende einmal ein Gegenstand und einmal eine Datei steht.

Ist der Bastelkarton oder die App zuerst da gewesen?

Der Karton, und zwar mit großem Abstand. Er stammt aus den frühen 1950er-Jahren aus der Palmer Paint Company in Detroit. Die digitale Fassung greift dieses Prinzip rund sechzig Jahre später auf, ohne es zu verändern.

Braucht man für die digitale Variante zeichnerisches Können?

Nein, und für die Kartonvariante auch nicht. Bildaufbau, Farbwahl und Flächenaufteilung sind in beiden Fällen bereits entschieden, bevor jemand anfängt. Was übrig bleibt, ist Ausführung, und die verlangt Ruhe statt Talent.

Auf einer echten Fläche ausprobieren

Numbrush ist Malen nach Zahlen für Erwachsene: Mandalas, Rosettenfenster und geometrische Ornamentik, zwölf Farben pro Bild, eine Lupe für die engen Stellen und keinerlei Strafe für einen danebengesetzten Tipp. Kostenlos, offline, ohne Werbung und ohne Konto.

Im App Store laden

Verwandte Beiträge

Alle Beiträge