Wer hat Malen nach Zahlen erfunden?
Max Klein besaß die Farbenfirma, Dan Robbins entwickelte die nummerierten Flächen. Was die veröffentlichten Quellen hergeben, worüber gestritten wurde und welcher Teil der Geschichte Firmenfolklore ist.
Die kurze Antwort lautet: zwei Männer in Detroit, Anfang der 1950er-Jahre, mit sehr unterschiedlichen Beiträgen und einer Urheberschaft, über die noch Jahrzehnte später gestritten wurde. Die lange Antwort ist interessanter, weil sie zeigt, wie unscharf das Wort erfinden wird, sobald es nicht um eine Maschine, sondern um ein Produkt geht.
Die Palmer Paint Company
Max Klein führte in Detroit die Palmer Paint Company, ein Unternehmen, das unter anderem Farben für Kinder herstellte. Das Geschäft war ordentlich, aber unspektakulär, und Klein suchte nach einem Produkt, das Farbe in größeren Mengen an Erwachsene verkaufen würde. Dan Robbins arbeitete dort als Werbegrafiker. Ihm fiel die Aufgabe zu, aus der Geschäftsidee etwas zu machen, das sich drucken, verpacken und ohne Anleitung benutzen lässt.
Der eigentliche technische Beitrag steckt genau darin. Ein Motiv so in Flächen zu zerlegen, dass jede Fläche mit einem einzigen ungemischten Farbton auskommt, dass das Ergebnis aus normalem Betrachtungsabstand trotzdem als Bild funktioniert und dass die Flächen groß genug für einen handelsüblichen Pinsel bleiben, ist keine Selbstverständlichkeit. Zu viele Töne machen den Kasten teuer und die Sache unübersichtlich, zu wenige lassen das Bild flach wirken. Robbins arbeitete diese Balance aus, und die frühen Motive gingen bis auf abstrakte Versuche zurück, bevor die Firma auf Landschaften, Stillleben und Tiere umschwenkte, die sich deutlich besser verkauften.
Vertrieben wurde das Ganze unter dem Markennamen Craft Master. Der Erfolg kam nicht sofort und dann sehr plötzlich; innerhalb weniger Jahre war der nummerierte Malkasten in den Vereinigten Staaten ein Massenartikel, und eine ganze Reihe von Mitbewerbern kopierte das Format.
Worüber gestritten wurde
Die Zuschreibung der Erfindung blieb dauerhaft umstritten, und das Muster ist bekannt. Robbins hat sich in späteren Jahren als derjenige beschrieben, der das Verfahren entwickelt hat, und er hatte dafür gute Gründe: Die Aufteilung der Motive stammte von ihm. Auf der anderen Seite steht Kleins Rolle als Eigentümer, Auftraggeber und derjenige, der das wirtschaftliche Risiko trug und das Produkt überhaupt in den Handel brachte; aus dem Umfeld der Familie Klein wurde dieser Anteil entsprechend betont.
Die veröffentlichten Darstellungen stützen beide Positionen teilweise und keine vollständig. Was sie tragen, ist eine schlichtere Formulierung: Klein wollte das Produkt und finanzierte es, Robbins machte es machbar. Wer von beiden als Erfinder gilt, hängt davon ab, ob man die Geschäftsidee oder die gestalterische Umsetzung für den entscheidenden Schritt hält, und diese Frage ist nicht durch Quellen zu entscheiden, sondern durch Geschmack.
Die Leonardo-Geschichte
Zur Ursprungserzählung gehört eine Anekdote, die in fast jedem Text zum Thema auftaucht: Leonardo da Vinci habe seinen Werkstattgehilfen nummerierte Bildabschnitte zugewiesen, damit sie in seinem Sinne weiterarbeiten konnten, und Robbins habe die Idee daher gehabt. Diese Geschichte ist Teil der Selbstdarstellung des Unternehmens und der späteren Erinnerung des Beteiligten. Als historischer Befund über Leonardos Werkstatt ist sie nicht belegt.
Das ist mehr als eine Fußnote, weil die Anekdote eine bestimmte Arbeit leistet. Sie stellt ein Massenprodukt in eine Traditionslinie mit der Renaissancewerkstatt und beantwortet damit vorbeugend den naheliegendsten Vorwurf, es handle sich um ein Ersatzprodukt für Leute, die nicht malen können. Sinnvoller ist es, die Sache ohne diese Legitimation zu betrachten: Werkstattarbeitsteilung hat es tatsächlich immer gegeben, aber der nummerierte Bausatz für den Hausgebrauch ist eine eigenständige Erfindung des zwanzigsten Jahrhunderts und braucht keinen Stammbaum.
Was hier eigentlich erfunden wurde
Der Gedanke, ein Bild in Flächen mit jeweils einem Ton zu zerlegen, ist alt und in gewisser Weise banal; jede Reduktion eines Motivs auf wenige Farbwerte tut das. Auch Vorlagen mit Farbangaben gab es vorher. Neu war die Zusammenfassung zu einem geschlossenen Paket: Vorlage, exakt passende Farbmenge, Werkzeug, Nummerierung und die Zusicherung, dass am Ende ohne jede Vorkenntnis etwas Vorzeigbares herauskommt. Erfunden wurde also weniger eine Technik als ein Produkt, und zwar mit einem Versprechen, das sich einhalten ließ.
Bemerkenswert ist auch, wie schnell die Kritik einsetzte. Der Vorwurf, hier werde industriell hergestellter Kitsch als schöpferische Tätigkeit verkauft, wurde von Anfang an erhoben, und er begleitet die Sache bis heute in beinahe unveränderter Form. In Deutschland traf der Bausatz später auf eine ausgeprägte Bastel- und Handarbeitskultur, in der solche Bausätze zwischen Stickpackung und Modellbau ihren selbstverständlichen Platz hatten, aber auch dort denselben Ruf: nützliche Feierabendbeschäftigung, nicht mehr.
Wer die Frage nach dem Erfinder also möglichst korrekt beantworten will, kommt an einer doppelten Nennung nicht vorbei. Max Klein und Dan Robbins, Palmer Paint Company, Detroit, frühe 1950er-Jahre, Marke Craft Master. Die Rangfolge zwischen den beiden Namen ist bis heute nicht abschließend geklärt, und die Renaissanceanekdote gehört in die Werbeabteilung, nicht in die Kunstgeschichte.
Häufige Fragen
Wer gilt als Erfinder von Malen nach Zahlen?
Genannt werden Max Klein und Dan Robbins von der Palmer Paint Company in Detroit, Anfang der 1950er-Jahre. Klein besaß das Unternehmen und wollte das Produkt, Robbins entwickelte die Aufteilung der Motive in nummerierte Flächen. Welcher Anteil als die eigentliche Erfindung gilt, wurde nie abschließend geklärt.
Stimmt es, dass die Idee von Leonardo da Vinci stammt?
Diese Erzählung gehört zur Firmenlegende und zur späteren Erinnerung der Beteiligten. Ein historischer Beleg dafür, dass Leonardo seinen Gehilfen nummerierte Bildabschnitte zuwies, existiert nicht. Die Anekdote diente vor allem dazu, dem Produkt eine ehrwürdige Herkunft zu geben.
Wie hieß die Marke, unter der die ersten Sets verkauft wurden?
Craft Master, vertrieben von der Palmer Paint Company. Nach dem schnellen Erfolg in den 1950er-Jahren übernahmen zahlreiche Mitbewerber das Format, sodass sich der Gattungsbegriff bald von der Marke löste.
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